14. Literarisches Adventfenster

Neue Ziita

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Wo dr Toni noch kli gsi ischt, hotr am Christkind allig a Briafle gschrieba. An Zedl met dena paar Wüüsch won er ghett hot und wo nr gwisst hot, ebbas vo dem wörd r kriaga. Des hotr denn bi sina Kind o aso ghalta und isch guat gfahra damit. So hot er gwisst, was er na schenka sött.

Jetz hotrs mit sim Enkel Jamie Blue (so häßt sin Enkel wörkli) o probiert. Der hot glei gseet: „Des isch kindisch“. Denn hotr abr gment: „Des schrieb i abr metam Computer“. „Jojo“ hot Ehni Toni gseet, „denn ka s z Chrischtkind wenigschtens lesa, du hoscht nämli a Sauschrift.

Dr Jamie Blue schriebt und schriebt, metam Computer umgo ka des Kögle wörkli scho guat, denn frogat r sin Ehni: „Du, kennscht du d Email – Adress vom Chrischtkind?“ „Na,“ seht dr Ehni, „ich kenn net amol dia normal Aschrift. Abr du kascht des Briafle sichr usdrucka, denn leeschas of ds Feschtrbrett, und denn holts ds Chrischtkind persönlich ab.“

Dr Toni muaß lang warta, bis si Enkile id s Bett goht. Es kunnt nämli noch an ganz grusiga Horror-Film im Fernsehn. Denn ka dr Ehni endli des Briafle hola. Er ninnts osam Umschlag und liest:

From Jamie Blue to Christkind

Ich will ein Snowboard, Shortcarver, eine Playstation (dr Jamie Blue schriebt alls wia mas usspricht), ein paar Computergames, ein Skateboard, einen CD und DVD – Player, einen Bluray-Player, einen I-pod, einen Scooter, eine X-Box, ein Keyboard, einen Joystick, ein Tablet, einen Laptop, ein netbook, ein notebook, einen eigenen email-account mit 5GB webspace, einen curved flat screen TV, ein E-bike,  und ein neues Smartphone mit flatrate, Klammer auf (weil mit dem alten Handy kann man nur telefonieren)Klammer zu.

Dr Toni hot Müa bim Lesa, er wäß jetz sövl wia vorher, will da Großtäl vo dem Züg kennt r gär net. Do ninnt r an Kuli und schriebt met sinra schönschta Schrift drunter:

Lieber Jamie Blue!

Meinst du, ich mache wegen dir noch einen Englischkurs – und sonst noch was! Wenn du nicht Deutsch kannst, dann schreib an meinen Kollegen Weihnachtsmann, das ist nämlich so ein Gastarbeiter aus Amerika, der oft an den Hauswänden hängt und immer nur ho ho sagt, der kann sicher Englisch.

Liebe Grüße dein –Klammer auf – er tät gära schrieba „angefressenes“ Christkind. Des goht abr bim Chrischtkind scho gär net.

So schriebt r Dein unangenehm überraschtes Christkind. Söllrs nu wissa, dr Jamie Blue!

 Text: Pfanner Heinrich/Vandans

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10. Literarisches Adventfenster

„Fürchte Dich nicht …“

Zwischen Hoffen und Bangen stecken wir oft wie gelähmtfoto-10-eva-maria-darn

in einer Ausweglosigkeit…

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit treten wir oft  ohnmächtig  auf der gleichen Stelle…

Zwischen Glück und Unglück liegen die Grenzen oft eng beieinander,

manchmal nur 1 Sekunde od. eine Haaresbreite…

Zwischen Licht und Dunkelheit stehen wir oft ängstlich

wie vor einer Brücke…

Wird sie uns tragen?

Können wir es wagen darüber  zu gehen?

Wir stehen und stehen und verzagen…

Auch zu uns muß ein Engel sagen:

„Fürchte Dich nicht“….

 

Text: Angelika Stark- Wolf/Lech

9. Literarisches Adventfenster

Bethlehem

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unterwegs im Heiligen Land
zwei
und ein Esel
suchten Herberge für das Dritte
das kommen sollte
in hochheiliger Nacht
zwei
standen vor Mauern von
Ausreden
Lügen
Ablehnung

Bethlehem heute

Immer noch unterwegs
viele
kein Licht das sie führt
kein Stall der sie wärmt
viele
suchen und hoffen
auf Herberge
in landloser Heimat

Text: Maria Etlinger/Roßnis

8. Literarisches Adventfenster

Herbergsuche

Maria und Josef waren auf der Flucht. Als ihr Kind in Betlehem geboren wurde, überwog das Glück der Eltern über die Geburt ihres Sohnes. Doch die politische Lage war eine Bedrohung für das Leben ihres Kindes. Sie machten sich auf den Weg, auf eine Reise ins Ungewisse. Ihr Ziel war Ägypten. Die Reise brachte Maria in foto-8-eva-maria-darneinen Zustand tiefer Erschöpfung. Maria war dankbar für ihren Esel, der sie stundenlang geduldig auf seinem Rücken trug, sie war dankbar für Josef an ihrer Seite und froh, dass ihr Kind die Strapazen der Flucht an ihrer Brust verschlief. Ägypten war weit, Ägypten war fremd. Maria und Josef hatten Heimweh. Sie sehnten sich nach Nazareth, nach ihrem kleinen Häuschen und nach den Menschen, die ihnen vertraut waren. Aber sie wussten, solange Herodes an der Macht ist, gibt es keine Rückkehr.

Auch Ali musste flüchten. Von den vielen Stationen seiner Flucht aus Syrien erinnert er sich nur an das Lager hinter der türkischen Grenze. Dort musste er seine Frau zurücklassen. Die Namen der fremden Städte, Flüsse, Grenzen und Bahnstationen hat die Angst aus seinem Gedächtnis gelöscht.

Ali darf in Vorarlberg bleiben. Jetzt sucht Ali eine kleine Wohnung für sich und seine schwangere Frau. Er geht durch die Straßen der Stadt. Es gibt so viele Fenster hinter denen nie ein Licht brennt. Es gibt so viele leere Wohnungen. Manchmal möchte Ali an einer Türe klingeln und um eine Bleibe für sich, seine Frau und sein Baby bitten.

Ali hat wenig Hoffnung. Seine Frau wird ihr Kind im Flüchtlingslager zur Welt bringen müssen.

Wenn Ali in seinem kleinen Zimmer sitzt und den Mond betrachtet, sieht er darin das Gesicht seiner Frau. In den Wolkenformationen, in den Sonnensprenkeln, in den Schattenspielen sieht er das Gesicht seiner Frau. Aus dem Lexikon leuchtet das Gesicht seiner Frau und die deutschen Worte schwimmen auf den Tränen davon.

Ich musste noch nie flüchten. Ich lebe mit meinem Mann in Sicherheit. Wir haben ein Dach über dem Kopf, ein Auto in der Garage und einen Notgroschen auf der Bank Unsere beiden Kinderzimmer sind schon lange leer. Ich habe warme Winterkleidung für die Flüchtlinge gespendet und der Bettler vor dem Supermarkt bekommt von mir eine Münze. Und manchmal schäme ich mich, weil das was ich tue, so lächerlich wenig ist

Bald ist Weihnachten

Text: Rita Stemberger/Röthis

 

6. Literarisches Adventfenster

Franz wäß sich z helfa

Bim Stefan kunnts Chrestkind,foto-6
bim Werner dr Klos,
bim Kevin dr Ho Ho (Weihnachtsmann),
des giftat Franz roß.

Bi ihm kunnt ken Schlitta,
ke Rentier dor d Loft.
Es kunnt o ke Päckli,
wia er sich erhofft.

Drom koft er sich etschas,
packts i rot und gäl.
Denn tuat ers of ds Postamt
und schickts a sich säll.

Wenns akunnt, denn freuts an,
packts us, adöchtig still.
Jetz hotr des Gschenkli,
genau wasr will.

Text: Pfanner Heinrich/Vandans

5. Literarisches Adventfenster

Manchmal

wird mein Kopf zum Karussell

ich sitze auf einem Schaukelpferd

reite zurück in die Erinnerung

 

Manchmal

klingt Musik in meinem Ohr

ein Ringelspiel der Töne

ich summe ein Lied, das von der Liebe erzählt

 

Manchmal

finde ich die Sonne zwischen den Wolken

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ich greife danach und mag sie dir bringen

und du

 

hockst ledern im Ohrsessel

dein Herz pendelt am verschlossenen Fenster

Hast du es vergessen

Nur draußen wird’s Winter!

 Text: Eva Maria Dörn/Schlins