24. Literarisches Adventfenster

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Weihnachten, das man nie vergisst

Am Heiligen Abend, ein paar Stunden vor der Bescherung, beschimpfte ein Mann sein Kind, weil es eine Goldschleife mit der Schere zerschnippselte. Eigentlich, kein großes Malheur, könnte man meinen. Doch die Goldschleife war für die Verpackung der Geschenke für seine Liebste bestimmt.

„Geh sofort in dein Zimmer“, schimpfte der Mann los, „und überleg dir gut, was du angestellt hast! Und merk dir, die obligate Gutenachtgeschichte kannst du dir bis zum neuen Jahr in die Haare schmieren!“

„Etwas muss geschehen“, überlegte der Kleine. Er suchte nach seiner alten Schuhschachtel, fand sie unter dem Bett, leerte sie aus. Allerhand Schätze kullerten zu Boden. Er füllte die Schachtel mit den Schnipseln der Goldschleife.

Als das „Klingelingeling“, zu hören war, trat das Kind mit seiner alten Schuhschachtel vor seinen Vater und sagte voll Freude:

„Dieses Geschenk ist für dich, Papa!“

Der Vater war zutiefst berührt, als er sein Junge mit der alten Schuhschachtel so vor sich sah. Er wusste, dass sein Kind bis jetzt alle gesammelten Schätze darin aufbewahrte. Er schämte sich beinahe und hätte am liebsten seine Drohung mit den Gutenachtgeschichten rückgängig gemacht.

„Jetzt bin ich aber neugierig, was das Christkind für mich gebastelt und mir in dieser Schachtel gebracht hat“, sagte er versöhnlich und hob neugierig den Schuhschachteldeckel.

Er traute seinen Augen nicht, die Schachtel war leer. Nur am Boden verteilten sich ein paar magere Goldschleifenschnipsel, über die er sich ohnehin zuvor geärgert hatte. Er konnte es einfach nicht fassen, was sollte diese leere Schachtel?

Der kleine Knirps sah seinen Vater mit großen Augen an. Er konnte sich nicht erklären, warum der Papa jetzt trotz Geschenk so wütend wurde.

„Sieht du nicht die vielen Bussis, die ich ganz allein für dich in die alte Schuhschachtel gestapelt habe?“, fragte das Kind seinen Vater.

Um ein Haar hätte dieser Mann dieses kostbare Weihnachtsgeschenk übersehen. Es waren Kinderaugen, die in ihm Weihnacht werden ließen.

Text: Eva Maria Dörn/Schlins

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23. Literarisches Adventfenster

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Stille Zeit

zurückschalten

zur Ruhe kommen

 

aber ich sollte noch

ich habe noch nicht

 

zurückschalten

zur Ruhe kommen

 

habe ich nichts vergessen

so vieles fehlt noch

alles hängt an mir

 

zurückschalten

zur Ruhe kommen

die Antennen einfahren

den Stecker ziehen

 

die laute Welt verschwinden lassen

unter der stillen Winterdecke

eine kurze Weile lang

bei mir sein

 

Text: Maria Etlinger/Roßnis

21. Literarisches Adventfenster

Wintr ischt

Bärg hond an blaua Mantl a

Mäsaknödile schaukland

untr dicka wiißa Wattaäscht

ufbloosne Amsla piggand

a da Öpfl mo dr Härbscht vrgässa hot

Tannaböm und Pilzle

hond Kapuza uf as wia na Zwärgavolk

d Moosichla ischt huuchdünn

und scharf

jätzt bruuchts große Schittr

und viel

dass as warm würd

Wintr ischt

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Text: Maria Etlinger/Roßnis

19. Literarisches Adventfenster

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Eingehüllt
im Lehnstuhl
s
chau ich zu
den Wollflocken
vor dem Fenster.
Schau zu
wie sie tanzen
wirbeln und glitzern.
Ich zieh die Decke über mich.
Warm wird es mir, ofenwarm.
Meine Gedanken
ein Schneesturm
ein sich setzen
ein an mich erinnern,
ein ruhig werden
und der weiße Wollknäuel
in Miezekatzes Pfoten
holt mich zurück
in die Wirklichkeit.

Text: Irma Fussenegger/Dornbirn

 

18. Literarisches Adventfenster

Advent

Foto 18 Maria Etlinger.jpg

Advent, Advent, a Kerzle brennt
und jeds noch schnell in Lada rennt.
Wövl Bsuach wörd hüür ko?
Homr gnuag zom Essa do?

Advent, Advent, a Kerzle brennt,
im Hosasack hon ich ken Cent.
A Gschenkle dert, a Gschenkle do,
so könn miar jo zu nüüti ko!

Advent, Advent, a Kerzle brennt
und Gagla sägan ganz dezent,
was z Chreschtkind hüür bringa sött,
do hett i gli an Herzschlag ghett!

Advent, Advent, a Kerzle brennt,
ich hon dia viert jetz i da Hend,
ich wüüsch a guate, schöne Ziit,
z Chreschtkind isch jetz nöma wiit!

 Text: Heinrich Pfanner/Vandans

17. Literarisches Adventfenster

ab ond zua Wiahnächta …

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Immr dä, wänn dr alls gliich ischt ond dini Liabi net ganz langat,-
wönsch i Dir a großas ond a wiits Härz.

Immr dä, wänn Dir een ruuch chonnt ond Dir weh tuat,-
wönsch Dir, daß rüübig bliibscht ond net des Gliicha zrugg gischt.

Immr dä, wänn i Dir dena s Mißtraua, dr Niid odr dr Giid naaga,-
wönsch i Dir an köriga Vorschuß a Vertraua.

Immr dä, wänn`s blöd zua ond har gäht ond Di ärgara muascht,-
wönsch i Dir sövl Humor, daß drübr luut laacha chascht.

Immr dä, wänn`s Di fuchsat ond für Di eng würd,
daß Dr bold dr Kraga platzt,-
wönsch i Dir, daß Du guat ond teif dür schnufa chascht.

Immr dä, wänn`s dr eefach langat ond
Du i dinam Zoora alls ommi wärfa wit,-
wönsch i Dir viel Kraft für an nüüa Schritt.

Immr dä, wänn Du meenscht:
“ Es ischt stockduuchl. I ben muusallee“.
Dänn wönsch i Dir, daß Du äppas märkscht:
Vo dr Liabi ond vom Liacht,-
wo für önsch i dia duuchl Wält cho ischt.

Immr dä, ischt ab ond zua Wiahnächta jeda Taag s ganz Joohr düür.

Text: Angelika Stark-Wolf/Lech